Raum-Klang/ Lichtkunst (TopoSonicArts)

zurück

Im Einklang mit der Stiftung Kunst und Technik wurde das bekannte Künstlerpaar <SA/JO> (Sabine Schäfer / Joachim Krebs) mit ihrem elektronischen Kunstwerk, Reiner Raum-Klang/ LED-Lichtkunst-Installation, im OG der Scheune im Fränkischen Hof im Jan. 2010 aufgenommen. Für ihre weitere künstlerisch-wissenschaftliche Arbeit wurde dazu mit beträchtlichen eigenen Mitteln des Stifters hier ein Atelier aufwändig in 2010 eingerichtet. Anlässlich der offiziellen Eröffnung der Kooperation des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) war diese Raum-Klang/ Lichtkunst-Installation von Juli 2009 bis Jan. 2010 im ZKM in Karlsruhe mit grobem Publikumserfolg gezeigt worden. Diese Installation, die Eröffnung der Kooperation, die weiteren Werke und der Werdegang der Künstler können Sie in deren eigenen website www.sajo-art.de, hier besonders unter http://container.zkm.de/sajo/SaJo_Video/Ansprachen.html, sehen.

Bedeutung der Kunst TopoSonicArts, von <SA/JO> (Sabine Schäfer und Joachim Krebs)

(aus meiner Sicht des Ingenieurwissenschaftlers)

Menschliche Wahrnehmung der Natur

Im alltäglichen Leben sind wir Menschen von Tönen, Geräuschen, Stimmen von Menschen und Tieren akustisch umgeben, während unsere Augen viele Bilder und Bewegungen natürlicher und technischer Objekte unserer räumlichen Umgebung wahrnehmen. Gegen diese akustischen und bildlichen Wahrnehmungen können wir uns gar nicht wehren; sie gehören ständig zu unserer Lebensumgebung. Diese Wahrnehmungen sind begrenzt durch die Begrenzungen unserer natürlichen Sinnesorgane Ohr und Auge sowie durch die Fähigkeiten unseres Gehirns, diese Sinneseindrücke zu verarbeiten. So empfindet ein Kind seine Umgebung in anderer Weise wie ein Greis. Wir spüren auch Kräfte aus der Umgebung, die wir weder sehen noch hören noch riechen können: die Schwerkraft, wenn uns ein Gegenstand aus der Hand fällt, wenn wir einen Sack Sand tragen oder einen Berg ansteigen.

Wir wissen auch, dass wir von physikalischen Kräften, die wir mit unseren natürlichen Sinnesorganen nicht wahrnehmen können, umgeben sind. Wenn wir mit dem Handy telefonieren, Bilder und Filme empfangen. Wir sind ständig von einem „Funkdschungel“ umgeben, den wir ohne technische Hilfsmittel überhaupt nicht spüren können. Dieser „Funkdschungel“ besteht aus einer Vielzahl elektromagnetischer Wellen verschiedener Frequenzen. Trägerfrequenzen verschiedener Sender tragen verschiedene Programme im Huckepack von sog. modulierten und codierten Frequenzen von Sprache, Musik, Bildern und Filmen, die wir nur durch entsprechende demodulierende und decodierende komplexe Empfänger erkennen können.

Wenn wir durch die Natur wandern, so hören wir Vögel zwitschern und singen, Frösche quaken, Grillen zirpen sowie einen Bach rauschen und die Blätter eines Baumes vom Wind angefacht fächeln. Dabei nehmen wir die Sonnenstrahlen durch den Wald und das Grün der Blätter und Wiesen mit ihren bunten Blumen als bildhaften Gesamteindruck wahr, der in unserem Gedächtnis ein ganzes langes Leben als ein schönes wohltuendes Erlebnis haften bleibt. Über solche eindrucksvollen Naturerlebnisse haben über Jahrhunderte viele Poeten herrliche Gedichte geschrieben und Komponisten wundervolle Musik geschaffen, die diese Erlebnisse in Stimmungsbilder akustisch dauerhaft und gefühlsvertiefend umgesetzt haben. Maler werden angeregt, ihre bildhaften Eindrücke verbunden mit ihren Gefühlsempfindungen in künstlerische Bilder umzuwandeln. Moderne technische Wiedergabegeräte speichern uns diese Musik und Sprache in fast vollendeter Qualität und lassen sie uns jederzeit zur Wiedergabe abrufen. All diese Verwandlungen der natürlichen Eindrücke in neue Formen sind Ausdruck künstlerischer Gestaltung des Menschen von natürlichen Gegebenheiten.

Nun umgeben uns aber auch viele Töne und Geräusche, die wir Menschen mit unseren natürlichen Organen gar nicht wahrnehmen können, die aber von Tieren sehr wohl wahrgenommen werden und dadurch die Lebensumgebung dieser Tiere bestimmen. So können Hunde sehr hohe Töne des Ultraschalls wahrnehmen und darauf reagieren. Insekten und Amphibien nehmen mit ihren Facettenaugen nur für sie wichtige Muster wahr.

Nun ist es heute möglich, mit Hilfe elektronischer Mittel und Computer in diese Tierwelt einzudringen und z.B. durch Frequenzreduktion und -analyse viele natürliche unhörbare Töne, Geräusche und Klänge für uns Menschen zugänglich zu machen. Diese „Neue Welt“ haben das Künstlerehepaar Sabine Schäfer/Joachim Krebs als Pioniere in vielen Jahren künstlerischen Schaffens erforscht und für das Publikum erfahrbar gemacht, wobei sie die Naturphänomene in einen künstlerischen ästhetischen Rahmen gesetzt haben. Die Künstler haben damit eine völlig neue Kunstform geschaffen, die in ihrer inhaltlichen Ausfüllung erst am Anfang steht.

Diese Kunstform eröffnet sich dem normalen Publikum nicht sofort, da man als Zuhörer/Zuschauer bisher gewohnt ist, entweder realistische Bilder und harmonische Musik (traditionelle Kunst) aufzunehmen oder abstrakt reduzierte Bilder und entsprechende Klänge („Moderne“ Kunst) individuell persönlich, oft verstandesmäßig, zu erfahren. Der Raumklang- Lichtraum- Mikrokosmos der Natur und Tierwelt von Sabine Schäfer/Joachim Krebs (SA/JO) verlangt dagegen eine meditative verinnerlichte Betrachtung, ein Eintauchen in diese bisher unzugängliche Welt, die in ruhiger Entspanntheit erfolgen muss. Diese Betrachtung darf nicht unserer alltäglichen Hektik ausgesetzt sein. Man muss sich dem Zyklus von 30 Minuten in Ruhe und Konzentration voll widmen. Die eigene Gedankenwelt will hier einbezogen werden, was Geduld und Übung erfordert.

Ich denke, der Betrachter kann mit seiner Fantasie in den beweglichen LED-Panoramabildern, die Facettenbildern von Insekten ähneln, eigene erlebte Filmsequenzen neu erzeugen. So wäre es denkbar, dass das Erinnerungsvermögen von älteren Menschen angeregt wird, wodurch verloren gegangene positive Erlebnisse wiederbelebt werden, was gerade bei Depressionen heilend wirken kann. So könnte diese Kunst, die sich ja auch mit neuronalen Prozessen beschäftigt, zur Heiltherapie eingesetzt werden.

zurück