Zur Geschichte des “Fr?nkischen Hofs”

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Baujahr des Haupthauses ist 1621.

Vermutlich war das Haus urspr?nglich f?r zwei Handwerkerfamilien gebaut worden. Im 30-J?hrigen Krieg brannte das Fachwerkhaus wohl bis auf den Keller ab. Es wurde erst gegen 1750 wieder aufgebaut; das Gesindehaus wurde 1795 (siehe Fenstergewand) als Teil des nun als Bauernhof genutzten Anwesens erstellt. Im 18. oder 19. Jh. wurde das Fachwerk ?berputzt, wohl um dem Haus einen st?dtischen Charakter zu geben und um es vor Brand zu sch?tzen, was zur Zerst?rung des Fachwerks vor allem an der westlichen Wetterseite durch eindringendes Regenwasser f?hrte. 1910 fielen Scheune mit Stall und Remise wie einige benachbarte H?user einem Brand zum Opfer. Der etwas vergr??erte Wiederaufbau erfolgte im gleichen Jahr. Im 2. Weltkrieg 1941 schlug eine Fliegerbombe direkt neben dem Haupthaus ein. Dadurch wurde vor allem die n?rdliche Steinwand schwer besch?digt, die dann mit gerade verf?gbaren Materialien repariert wurde, was im Wohnraum heute sichtbar ist. Da? nicht mehr Schaden angerichtet wurde, ist sicherlich der soliden und elastischen Fachwerkkonstruktion zu verdanken.

Seit Anfang des 19. Jahrhundert war dieses Anwesen im Besitz der Familie Gantner, die eine Landwirtschaft incl. Weinbau wohl bis 1917 betrieb, als Josef, der Vater der lezten Besitzerin, verstarb. Im August 1978 erwarb ich das Anwesen ?ber einen Bruchsaler Makler von den geschwisterlichen Erben. Es war damals in zwei ?bereinander liegenden Wohnungen vermietet, die kalt und feucht waren. Das Denkmalamt stufte das Anwesen als eine typische Fr?nkische Hofanlage ein. Um das Anwesen nicht an den verg?nglichen Familiennamen zu binden, f?hrte ich den Namen ?Fr?nkischer Hof? ein. Die denkmalgesch?tzte Fr?nkische Hofanlage ist gekennzeichnet durch seine besondere Anordnung: ?Haupthaus mit Giebel zur Stra?e, gegen?ber im Hof das sog. Gesindehaus, dazwischen das Hoftor, hinter dem Haupthaus die Remise, daran anschlie?end die quer stehende Scheune mit Stall und die Bruchsteinmauer hinter dem Gesindehaus.

Mit der Restaurierung des Anwesens konnte ich erst nach Auszug der beiden Mietparteien Anfang 1979 beginnen, nach der Planung des vom Denkmalamt empfohlenen Architekten, der das Haupthaus senkrecht in zwei Wohnungen mit eigenem Eingang und Treppenaufgang teilte. Der Zustand des gesamten Anwesens war marode. Da das Dach (auch das des Gesindehauses) ?ber lange Zeit undicht war, drang Wasser vor allem auf die tragenden L?ngsbalken ein, die verfaulten. Der Dachboden war voll Ger?mpel. ?ber mehrere Monate wurden W?nde und Decken ?ausgebeint?, d.h. der Putz wurde abgeschlagen, fast alle Gefache (Ziegel, Weidengeflecht, Lehm) und die Gips-Rohrmatten und Lehm-Stickst?cke der Decken wurden bei dichtem Staub herausgeschlagen. Es wurden rund 150 Wagen mit je ca. 3 t Schutt beladen. Viele Gipsreste mussten an den Balken vor ihrem Anstrich mit Drahtb?rsten gereinigt werden. Einige kleinere Schuppen und Hasenst?lle wurden abgerissen. Diese und sp?tere Aufbau-Arbeiten f?hrte ich mit befreundeten Sch?lern durch, die wie Studenten entlohnt wurden.

?Schwierige Abri?- und Maurerarbeiten waren einem vom Architekten gepr?ften italienischen Bautrupp vorbehalten, der auch schwierige Aufgaben vielseitig und geschickt l?ste; so rissen sie den an das Haupthaus angebauten Toilettenturm und Schuppen sowie die (volle) Versitzgrube m?hsam in Handarbeit ab. Die Gefache wurden mit einzeln zuges?gten Gasbetonbl?cken ausgef?llt. Der an seine Stelle zu errichtende Treppenturm sollte nach Plan mit drei Betonw?nden in Verschalungen hochgezogen werden. Der Architekt entschlo? sich aber kurz vor Arbeitsbeginn, diesen Plan zu verwerfen und den Turm mit Hohlblocksteinen hoch zu mauern, da der Frischbeton-LKW nicht durch das enge Tor fahren konnte. Ein Kran konnte auch nicht eingesetzt werden, so dass alles Material manuell hoch transportiert werden musste. Da der Turm keine Kr?fte auf das Haus ?bertragen darf, musste er mit einer aufwendigen Stahl-Armierung mit rund 1500 (statt vorgefertigten) von Hand vor Ort gebogenen St?ben (zusammen 1,5 t schwer) versehen werden, was erhebliche Mehrkosten verursachte.

Alle gro?en Gewerke wurden von meist ?rtlichen Handwerksbetrieben erstellt. Leider gab es mit dem Architekten mehrere Differenzen in der Bauf?hrung und durch Planungsm?ngel verursachte, die zu vermeidbaren Mehrkosten und Verz?gerungen f?hrten und ihn dann im Juli 1980 veranla?ten, seinen Vertrag fristlos zu k?ndigen, kurz nach der Abnahme des Rohbaus. So musste ich nun in Eigenregie den Innenausbau und die Sanit?r-, Heizungs- und Elektrikinstallationen, die modernen Anspr?chen gerecht wird, vornehmen lassen. Alle Innen- und Au?en-Maler-, Isolierungs-, Innenverkleidungs-, Boden- und Treppenmontage-Arbeiten f?hrte ich mit Hilfe der Sch?ler durch, die sich in den Ferien und an Samstagen sehr einsetzten. Hierbei berieten uns die einheimischen Firmen, die das Material lieferten, kompetent und hilfreich.

?Es gab nat?rlich mehrere Probleme in der Organisation des Arbeitsablaufes, in der Logistik des Materials und durch die besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes. Trotz all der unvorhergesehenen Schwierigkeiten konnten wir das Haupthaus im Oktober 1981 bezugsf?hig fertigstellen. Aber das gesamte Anwesen war damit noch nicht restauriert. Die weiteren Geb?ude wurden in ?hnlicher Weise wie das Haupthaus mit viel Eigenarbeit und Hilfe von Sch?lern hergerichtet. Nur sicherheitsbedingte Komponenten wie Treppen, ?nderungen von Holzkonstruktionen und Dachumdeckungen erstellten professionelle Handwerker.

?1982 wurde die offene Remise zu einer geschlossenen ?Galerie?, die B?den mit alten Sandsteinplatten im Erdgescho? und Holzdielen im Obergescho?, ausgebaut. Ein Student (der Sozialp?dagogik) baute die W?nde incl. alter Fenster (z.T. aus dem Haupthaus) und die Dachisolation aus Korkplatten ?ein. Der Hof wurde mit altem Sandsteinpflaster von dem Innungsmeister der Pflasterer mit Steinen verlegt, die wir aus dem fr?heren Stall herausgerissen hatten, und mit solchen, die im Ort Stein aus dem Farenstall stammten. Vorher wurde ein ausgedienter Heiztank vergraben, in den das Regenwasser des einen Scheunendachs eingeleitet wird. 1997 wurden 4 gro?e Schirme? im Hof f?r Regen- und Sonnenschutz installiert.

?Am 20.Juli 1985 fand die Einweihungsfeier des ?Fr?nkischen Hofs? mit einem kulturellen Programm statt, zu der ich alle Helfer, Nachbarn, Freunde, Verwandte und ma?gebliche Vertreter der Gemeinde Weingarten eingeladen hatte. Aus meiner Rede will ich nur folgenden Absatz zitieren:

?Diese Restaurierung hat mich viel Nerven, Geld und Schwei? gekostet, aber sie hat auch viele meiner inneren Kr?fte mobilisiert, sie hat mich bereichert und gest?rkt. Mein Blick f?r alte Architektur und Handwerk wurde gesch?rft. So finde ich es faszinierend zu sehen, mit welchem Geschick mit den damals primitiven Mitteln eine Ausgewogenheit zwischen praktischem Nutzen und Sch?nheit in der Struktur dieses alten Hauses erreicht wurde. Kein Balkenwerk musste wesentlich ver?ndert werden, um f?r moderne Anspr?che wohl proportionierte funktional gute R?ume zu schaffen.? In diesem Anwesen versp?ren wir t?glich eine Harmonie geistiger und materieller Kr?fte. [H. Trauboth, “Der ‘Fr?nkische Hof’ – ein Kleinod in Weingartens Ortsmitte”, Weingartener Heimatbl?tter, Nr. 22, S.17-20]

?Da wir bereits 1983 mit k?nstlerischen Veranstaltungen in Hof, Galerie und Scheune begannen, musste die Scheune bald winterfest und das Dach komplett saniert werden. 1989 wurde das Dach neu ausgerichtet, mit 17 Velux-Isolierglasfenstern versehen und mit Isolierplatten abgedichtet, wobei bei der Deckung weitgehend die alten Ziegel verwendet wurden. Kurz vorher wurde ein Zwischenboden zur besseren Raumnutzung eingezogen. Eine unauff?llige Gasheizung wurde installiert. Der fr?here R?benkeller wurde 1993 zur allgemeinen Nutzung mit anschlie?ender K?che und einem Durchgang zur Galerie hergerichtet. 1994 wurde eine computergesteuerte elektronische Raumklanganlage mit acht hochwerten Lautsprechern installiert.

Scheune,? Galerie und Hof stellte ich ?f?r viele Jahre K?nstlern und Hobbyk?nstlern kostenlos f?r Ausstellungen von Malereien, Textilwerken, Keramiken und Holzskulpturen sowie f?r Konzerte zur Verf?gung, was auch zur Wertsch?tzung des ?Fr?nkischen Hofs? beitrug..

1994 wurde die private gemeinn?tzige Stiftung ?Kunst und Technik? gegr?ndet, an der das Forschungszentrum Karlsruhe, Technik und Umwelt und die Gemeinde Weingarten teilhaben. Im Rahmen und in der Zielsetzung dieser Stiftung fanden einige k?nstlerische Veranstaltungen statt. 1999 wurde mit einem eigenen PC-System ein Internet-Treff f?r die ?ffentlichkeit eingerichtet, um diese mit den M?glichkeiten des Internets und von CD-ROMs kostenlos vertraut zu machen. Die Nutzung dauerte mangels Interesses leider nur einige Monate.

2007 wurde als Folge eines schweren Unfalls meiner Frau an der R?ckseite des Haupthauses ein verglaster Aufzug vom Keller bis unters Dach nach umfangreichen Bau?nderungen installiert.

2010 wurde das Obergeschoss zu einem Arbeits-und Besprechungsraum (60) und einem Pr?sentationsraum (100) f?r vier Arbeitspl?tze mit M?blierung und elektronischer Ausstattung betr?chtlich umgebaut.

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